Immer ein Schritt vor den naechsten

über eine alltägliche Pilgerreise

Etappe 5

Wissembourg – Hagenau

17. November 2012

Das Wetter war nasskalt und neblig. Um 5.45 Uhr aufgestanden, kurzes Frühstück, ins Auto und um kurz vor acht waren wir in Wissembourg auf dem Camino. Dank der guten Markierungen der „Les Ami de Saint Jacques en Alsace“ kamen wir trotz einer Sichtweite von teilweise nur 100 Meter gut voran. Bei Cleebourg mussten wir einen Umweg machen, wegen einer Jagd. Die Kirche dort sah ein bisschen düster aus, wir gingen nicht hinein.

Es war sehr matschig. Auf den Feldern waren mehr Traktoren am Pflügen als Menschen auf den Wegen.

Unterwegs haben wir auch nur wenig miteinander gesprochen. Unsere Stimmung passte sich dem trostlosen Wetter an. Jeder ging für sich. Die Friedhöfe, an denen wir vorbeikamen waren sehr schön. Die Farben der Blumen (Chrysanthemen) bildeten einen eindrucksvollen Kontrast zum Novembergrau.

Mittagspause machten wir auf einer Sitzbank vor der Kirche in Surbourg. Hier wurde das erste Kloster des Elsass gegründet (um 570). Je länger man sitzt, desto mehr kriecht die Kälte in die Kleider. Nach kurzer Pause sind wir also ein zweites Mal in die schöne, stimmungsvolle, romanische Kirche, um uns auf der prima Heißluft-Bodenheizung aufzuwärmen.

Jetzt kam der schönste Teil der heutigen Tour. Auf einer stillgelegten Bahnlinie gings durch den Wald nach Walbourg.  Der Ort war wie ausgestorben. Im Wald haben wir uns fast verlaufen, am Bahnübergang fehlte eine Markierung. Aber der Bahnhof war ja schon in Sichtweite.

Nach Apfelkuchen und zwei Schnäpsen ging es 5 km durch den Foret de Hagenau. Ein großer, stiller Wald mit Wegen, die lange gerade aus gehen. Wir konnten der Novemberstimmung nicht mehr entfliehen. In einem Teil des Waldes fand schon wieder eine Jagd statt. Links vom Weg saß alle 50 Meter ein Jäger im Wald. Stumm ließen sie uns passieren. Ein erneuter Umweg wäre vermutlich eh nicht möglich gewesen, bzw. wir wären dann nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach Hagenau gekommen.

Eine Frau im Auto wollte nicht halten, als wir nach dem Weg suchten, eine andere Frau hat uns angesprochen, ob in dem Wald hinter uns heute Jagd sei. Die Hoffnung auf Sonne hat heute sich nicht erfüllt.

Nach den letzten vier Kilometern, die wirklich hart waren und diesem Blog seinen Namen gaben, haben wir endlich den Bahnhof Hagenau erreicht. 34 km in 8 Stunden 15 Minuten.

So gingen wir mit dem Tag dahin.

Etappe 4

Bad Bergzabern – Wissembourg

– Text folgt –

Etappe 3

Landau – Bad Bergzabern – Erlenbach bei Dahn

– Text folgt –

Etappe 2

Germersheim – Landau

3. August 2012

Wieder mal galt es, an einem guten halben Tag das zu tun, was vernünftige Menschen an einem ganzen Tag tun. Freitags um 13 Uhr sind wir los gelaufen. Das Wetter war wieder ziemlich durstig. Am Anfang ging es am Rheindamm entlang – da kann man nicht viel falsch machen. Beim Schleusenhaus in der Nähe von Sondernheim sah auf einmal alles ganz schlecht aus: Es wurde gerade eine neues Hochwasser-Wehr gebaut. Die Baustelle war so gut abgesperrt, dass man nicht drüber- oder vorbeiklettern konnte. Ein Sprung über einen ca. 6 Meter hohen Spalt auf ein Baugerüst erschien uns zu waghalsig. In Sichtweite lag ein ca. 20 Meter langer Baumstamm über den Altrheinarm. Ein Sturm musste die stattliche Pappel umgeschmissen haben. Wir hatten 3 Möglichkeiten: Umweg von 3-4 Kilometern, ausziehen und durchs Wasser waten oder über den Baumstamm balancieren. Wir schlugen uns also durch das Dickicht zur Naturbrücke. Ohne langes Zögern ging Markus als erster über den Stamm. Auf dem Foto sieht das wenig spektakulär aus, aber es war Adrenalin pur.

Bild0121

In bester Laune und mit ordentlich Schwung gingen wir anschließend durch die Hördter Rheinaue, schön schattig war es hier. Aufgrund des engen Zeitplans verzichteten wir auf eine Rast, aßen das bisschen einfach im Gehen. Ein gekochtes Ei schlug ich an meiner Hose auf. Dafür erntete ich Flecken und Spott. Offenbar schränkt Wandern bei mir die Hirntätigkeit ein. Mir fiel einfach keine näherliegende Möglichkeit ein, an den Inhalt des Ei’s zu kommen…

Die Wegmarkierungen wurden immer spärlicher, wobei wir ohnehin meist auf schnöden geteerten Landwegen unterwegs waren. An einer kleinen Kapelle bei Herxheimweyher machten wir dann doch noch eine kurze Rast im Schatten. Der markierte Weg war vermutlich irgendwo anders, aber Herxheim lag ja schon in Sichtweite.

Eine lonesome Joggerin mit hübschen Augen und das Schattenspiel der Windräder boten zumindest gedanklich etwas Abwechslung. In Offenbach an der Queich waren Beine und Füße echt am Limit. Nach kurzen Zweifeln entschieden wir wie geplant bis Bahnhof Landau weiterzulaufen, besser is das, zumindest für den Start der nächsten Etappe. Gegen Schmerzen beim Gehen helfen Ausweichbewegungen in der Körperhaltung und natürlich Zaudern und Motzen. Was schlecht ist muss halt‘ raus!

Kurz vor Acht ging der Bus nach Germersheim. Nach kurzem Suchen und weiterem Gehumpel fanden wir auch die richtige Ersatz-Haltestelle, am Bahnhof war nur Baustelle. Dank unserer Fahrplan-Assistenz schaffte es auch eine wartende Familie in den richtigen Bus, es war der letzte, der am heutigen Tag nach Germersheim fuhr…

34 km in 7 Stunden – mehr geht nicht.

Irgendwie hatte ich mir Pilgern anders vorgestellt…

Etappe 1

Speyer – Germersheim

27. Juli 2012

Heute war es soweit: unsere gemeinsame Unternehmung, den Jakobsweg von Speyer nach Metz zu laufen, begann. Nach einem halben Arbeitstag trafen wir uns kurz vor eins vor dem Speyerer Dom. Zuerst zündeten wir eine Kerze an und leisteten kurz der Pilgerstatue in der Speyerer Fussgängerzone Gesellschaft.

Durch das Industriegebiet gings immer Richtung Süden bis zum Rheindamm. Ab da ist der Weg leicht erklärt: Fast immer den Rheindamm entlang, bis man in Germersheim steht. Relativ unspektakulär. Abgesehen davon, dass mein Schnaps schon im Auto ausgelaufen war, hatten wir aber ein ernsthaftes Problem:

35 Grad

und kein Schatten. Und dann ging der Weg auch noch monoton am Rheindamm entlang. D.h. lang gezogene Kurven, viel geradeaus, eigentlich ein Radweg. Und die Bremsen waren vielleicht aggressiv. Vor Mechtersheim wurde gerade ein Rheinpolder gebaut. Für die Radfahrer gab es eine Umleitung, wir gingen weiter. Auf einer Wiese wuchs wilder Fenchel. Im Ort selber war zwar nix los, aber für uns waren die leeren Straßen und die mit Rolläden verschatteten Häuser schon Abwechslung genug. Markus hat sich in einem Geschäft ein Eis gegönnt. Aus irgendeinem kranken paranoia-Grund wollte ich mir kein Eis kaufen Das wär‘ ja aber auch schlimm gewesen, sich beim Pilgern ein Eis zu kaufen, am heißesten Tag des Jahres! Führt die Selbstkasteiung wieder ein, ich bin dabei!

Dann gings wieder weiter, immer schön brav am Rheindamm entlang. Absolut beeindruckend waren die polnischen (?) Erntehelfer, die bei der Hitze auf dem Feld Zwiebeln ernteten. Später kamen wir am Baggersee in Lingenfeld vorbei. Da war vielleicht was los. Warum tun wir uns das eigentlich an, an so einem Tag? Wir könnten doch einfach über den Zaun klettern und rein ins kühle Nass…

Was in bester Abenteuerlaune begann, war jetzt eine Qual. Das ständige Schwitzen und die Schmerzen in den Füßen. In den neuen, dicken Wanderschuhen war ich dabei, mir die Ferse wund zu laufen. Ich machte mir etwas Sorgen um meinen Kreislauf. Zwei Mal wurde ich kurzatmig, einfach so. Gott-sei-Dank gab es am Ortseingang in Lingenfeld eine Wirtschaft, in der wir eine große, kühle Coke ziehen konnten – andernfalls wäre’s eng geworden. Danach gings noch den Lingenfelder Altrhein entlang durch das Industriegebiet zum Bahnhof in Germersheim, fertich.

Ursprünglich hatten wir geplant, bis Rülzheim Bahnhof zu laufen, aber das war völlig utopisch. Zum Glück hatte Markus entschieden, dass wir in Germersheim aufhören. Ich wäre vermutlich einfach weiter ins aufziehende Hitzegewitter gelaufen, da ich nicht mehr entscheidungsfähig war…

Als Entschädigung zum Abschluss des Tages gab’s ein gepflegtes Bier im Alten Hammer in Speyer.

Mein Hitzeausschlag zwischen rechter Wade und Knöchel war wirklich sehenswert (leider kein Foto vorhanden). Ich wurde auch 2 Wochen später noch darauf angesprochen!

20 km – Der Anfang war gemacht!

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